jump to navigation

Pathetic Fallacy – Immensee. [German] April 5, 2007

Posted by The Truth in Im Allgemeinen.
trackback

Translations only by request.

Heute hat sie endlich mir Lebewohl gesagt. Ich weiß selber nicht, was dazwischen schief gegangen ist…Ich? Sie? Wir? Die Umstände, unter denen wir uns befinden? Ich kann nur eins sagen: Es tut weh. Es hilft nicht weiter, dass ich sie noch gewissermaßen liebe…das Schlechte daran ist nur, dass ich zur Zeit nicht einsehe, wie das überhaupt weitergehen kann.

Das erinnert mich aber an ein Buch, das wir zum Proseminar I in die NdL zu lesen hatten, nämlich Immensee von Theodor Storm. Das Buch geht um Reinhard, sprich der Romantiker – dieser Typ ist gut mit Wörtern und allem, was damit zusammenhängt, aber scheitert bei dem realen Leben. Auch gibt es Elisabeth – ein gutwillendes Mädchen, das sich in Reinhard verliebt – trotzdem wurde sie im Buch immer und immer wieder enttäuscht und gab endlich die Aufgabe auf, auf Reinhard zu warten, denn ihm ist es immer mißlungen, seine Liebe zur Elisabeth zu erklären.

Reinhard wusste sich immer mit schönen Wörtern auszudrücken und seinen gebildeten Hintergrund auszunutzen, um die Elisabeth bei ihm zu halten, trotzdem befremden sie sich wegen Reinhards Abwesenheit (er musste des Studiums wegen die Stadt und Elisabeth verlassen) – nicht nur physikalisch, sondern auch seelisch, denn Reinhard Elisabeth nicht mehr schrieb, obwohl er ihr das versprochen hat. Dasselbe dürfte wohl für mich auch zutreffend sein – wie viel habe ich ihr denn versprochen, ohne sie zu vervollkommen?

In dem Brief, den sie mir geschrieben hat, kam alles mir als Vorwürfe vor – was sie fühlte, meinte, usw. Und ich fühle mich genau deswegen schlecht. Ich weiß, dass ich daran gescheitert bin, das alles, was ich ihr gesagt habe, zur Erfüllung zu bringen – die Zeit für uns blieb verloren, es gab nichts mehr zu sprechen, meine Anwesenheit blieb ihr fremd. Ich konnte nicht mehr mein Wort halten und dafür schäme ich mich, dass ich sogar ihr Herz vor dem Zugrundegehen nicht schützen konnte. Ich wusste, dass ich genau wie Reinhard sie nicht mit bloßen Wörtern abspeisen konnte – ich hielte das für völliges Unrecht – und deshalb entschloss ich, zunächst Schluss zu machen.

O, wäre alles anders ausgefallen gewesen!

Und was mit der Zukunft? Werde ich immer alleine bleiben? Zähle ich die Tage bis ich sterbe? Ich weiß es nicht selber. Eines Tages möchte ich sehr gerne Vater sein. Aber schaffe ich es bis dahin?

Es war mir nicht einfach, das zu tun – in der Erzählung war das etwa anders – Elisabeth entschied sich für Erich und heiratete ihn, ohne Reinhard Bescheid zu sagen. Ich hätte diese verfluchten Wörter nicht ausgesprochen und alles wäre jetzt wie zuvor. Aber ich weiß nicht mehr, vielleicht weiß ich ja nichts mehr.

Ich finde den Katharsis, der am Ende der Erzählung Reinhard empfand, als er Schloss Immensee verließ, nicht. Es gibt keine Erlösung, nur eine unerzählbare Schuld und Schmerz.

Advertisements

Comments»

No comments yet — be the first.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: