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No one is thinking anymore. [Deutsch] February 6, 2007

Posted by The Truth in Im Allgemeinen.
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Habt Ihr manchmal euch gefragt, wieso ich mich so gegen die Naturwissenschaften eingestellt habe?

Das frage ich mich auch ab und an. Warum? Habe ich doch nicht 3 naturwissenschaftlichen Fächer für das Abi gelernt? Hatte ich nicht als Kind davon geträumt, einer großartiger Naturwissenschaftler zu werden? War ich nie einmal für die Chemie begeistert?

Vielleicht war das einmal so. Jetzt bin ich anders als zuvor. Irgendwann war mir eingefallen, wie sich die Menschen in die Naturwissenschaften und das unendliche Streben nach Mehr geirrt haben. Wenn Ihr also die Naturwissenschaften studiert, so bitte ich Euch, zuerst durchzulesen, ehe Ihr mich angreift.

Bertrand Russell hat ein Buch namens ‘Power’ geschrieben. In diesem Buch geht er davon aus, dass alle menschlichen Handeln auf die Macht und die Sucht nach Macht zurückzuführen sei, vor allem in die Politik. Aber es ist hierbei nicht meine Absicht, mich mit der Politik auseinander zu setzen, es sei denn, ich werde versuchen, die von Russell identifizierten menschlichen Machtansprüche auf die Naturwissenschaft anzuwenden. Vielleicht werdet Ihr daraus einen kleinen Einblick darin gewinnen, woran ich glaube.

In der Antike war die Philosophie die einzige Wissenschaft, die man betreiben sollte. In der Philosophie war fast alles enthalten – Fragestellungen über die Existenz der Dinge (Metaphysik), über das richtige Handeln und das gute Leben (Ethik), und so weiter, und so fort. Ab dem 17.Jahrhundert und mit der Aufwertung des Empiricismus und des Rationalismus gab es eine Aufsplitterung der Gesamtwissenschaft, die bisher betrieben wurde, in eine Dichotomie der Natur- und Geisteswissenschaften. Infolge der Industriellen Revolution erhielt die Naturwissenschaften die Aufgabe, den menschlichen Fortschritt zu gewährleisten und die künftige Welt dadurch zu verbessern.

Welche Aufgaben hat also die Naturwissenschaft? Meines Erachtens lautet die Hauptaufgabe, den Menschen von der Natur und ihre Gesetzen zu emanzipieren und schließlich sie zu beherrschen. Dabei kommt eine schwierige Problematik ans Licht: sind wir also bereit, so etwas vernünftig zu betreiben? Manche würden zu dieser Frage bejahen – schließlich haben wir so viele Entdeckungen gemacht und es ist ja offentsichtlich, dass heute viel besser im Vergleich zu zuvor ist.

Meiner Meinung nach sind wir nicht bereit. Was mir aufgefallen ist, ist, dass die Machtsucht der Menschen fast außer Kontrolle geraten ist. Mit Hilfe der Naturwissenschaften haben wir Atomwaffen entwickelt, die die Welt hundertmal zerstören könnten. Die Regierungen der Welt nutzen die Naturwissenschaften aus, um neue Entwicklungen in der Kriegstechnologie zu erfinden. Diejenigen, die Macht haben, versuchen, ihren Einfluss bzw. ihre Machtreichweite zu verbreiten. Und wie? Durch neue Waffentechnik, neue Beobachtungs- und Spionierungsmethoden, usw.

Was würde passieren, wenn eines Tages eine Superwaffe erfunden würde? Ich würde sagen, man würde versuchen, die ganze Welt zu erobern. Warum aber ist das noch nicht passiert?

Meines Erachtens gibt es zu jeder Zeitperiode eine nicht zu überschreitende Grenze, die den menschlichen Fortschritt durch die Naturwissenschaften gewissermaßen einschränkt – sonst würde sich die Menschlichkeit zerstören. Diese Grenze ist die der Mündigkeit der Menschen. Um diese Grenze los zu werden müssten wir die Fähigkeit entwickeln, uns mit den Schätzen, die die Naturwissenschaft uns erfunden hat, vernünftig umzugehen.

Der Schlüssel dafür ist m.E. in den Geisteswissenschaften zu finden. Die Literaturwissenschaft, die Philosophie, und so fort – ich glaube, darin sei den Schlüssel zu finden. Dieser Wahn nach Mehr – mehr Technik, mehr Waffen, mehr Energie, wird kein Ende kennen und was nun übrig bleibt ist nur, denken zu lernen.

Seit dem 17. Jahrhundert wurde die Welt des Wissens von den Naturwissenschaften dominiert – keine reflektierte mehr, während jeder sich nach mehr technischer Entwicklung strebte. Warum sind heute die Geisteswissenschaften von so einem niederen Rang? Warum sind sie vernachlässigt? Warum bevorzugen die Machthaber die Naturwissenschaft mehr? Macht ist heute alles, was die Menschen brauchen. Mit Macht kann man dem Faustrecht nach gewinnen, egal, in welche Umstände man sich befindet. Inzwischen sind die Geisteswissenschaften längst zurückgeblieben: Denken wir heute an einem berühmten Schauspiel, so müsst dies vielleicht 200 Jahre früher geschrieben werden. Denken wir an Philosophie, so denkt man an Platon oder Plotin oder Aristoteles, vielleicht Kant, Hegel und so weiter. Kennt man aber ein Schauspiel oder ein literarisches Werk, der heute weltberühmt ist und voraussichtlich noch für die künftige Jahrhunderte immer noch so berühmt bleiben wird?

Ihr werdet sagen, Berühmtheit kommt nur, wenn wir in die Vergangenheit zurückblicken. Vielleicht ist das so. Aber wovon wäre vielleicht die Rede in 100 Jahren, wenn wir z.B. über das 20.Jahrhundert reden würden? Wir würden sagen, im 20.Jahrhundert wurde die Atombombe erfunden, der Eiserne Vorhang fiel über Osteuropa, und so weiter. Gab es aber einige Durchbrüche in dem Bereich des Denkens? Gab es Bücher von daher, die zu dieser Zeit noch gelesen werden?

Wir können nicht weiter entwickeln trotz der physischen und technischen Fähigkeit dazu. Wollt Ihr nun Fortschritt? Dann  haben wir wieder denken zu lernen, bevor wir überhaupt Fortschritt machen können.

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